»Gott« versus »personaler Gott«

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admin

Mittwoch, 12. August 2009 15:48:12

1. Frage: ist der Mensch Teil dessen, was er in biblischen Begriffen Schöpfung nennt? - Natürlich
2. Frage: diese 13 Milliarden Lichtjahre Raum da draußen, sind die auch Teil der Schöpfung? - Natürlich
3. Frage: gibt es in diesem unermesslichen Universum da draußen Dinge, die wir nicht verstehen, die unseren Horizont überschreiten? - Natürlich
4. Frage: Gibt es da draußen Dinge, die sind so kollossal groß, dass wir sofort erkennen, das sprengt jeden unserer Vorstellungrahmen, aber auch im kleinen, können wir das Wunderwerk eines einzigen Atoms irgendwie kapieren? Okay, wir können Atomkerne verschmelzen, aber können wir auch Naturgesetze erlassen, in denen dann Atome entstehen? Natürlich nicht. Ist das Atom also in seinem Wesen ein Mysterium? Natürlich
5. Frage: Wie können wir einen Schöpfer von etwas annehmen, was wir nicht im entferntesten verstehen? Was wir räumlich gesehen nicht mal ansatzweise kennen. Entehren wir nicht die Schöpfung, dieses unermessliche Ding, was schon da ist, was in uns, durch uns präsent ist, wozu wir gehören, dessen Manifestation wir sind, indem wir sagen: davon außerhalb ist jemand, der es geschaffen hat. Kurz: heißt, Schöpfung und Schöpfer trennen nicht auch, wir gehören nicht zum Schöpfer, wir wären sein gegenüber. Gott ist nicht im Universum, sondern außerhalb. Wir maßen uns an, einen Schöpfer zu postulieren, aber wir können nicht mal ansatzweise ahnen, was er da geschöpft hat.
M.E. ist es anmaßend, hoffährtig zu sagen, wir und die Schöpfung sind geschöpft. Sie, die Schöpfung ist zu wunderbar zu groß, um sie nicht selbst schon mit einem Schöpfer gleichzusetzen. Das Paradies ist wunderbar, es ist völlig abwegig, wir kleinen Menschen könnten sagen: das ist geschöpft, das ist gemacht. Paradies und Erde sind geschöpft. Wie kann man sagen: etwas ist produziert, wovon wir nicht mal wissen, was es ist, und von dem wir ein Teil sind. Nur das Denken ist uns doch, was uns diese Großspurigkeit verleiht. Aber wenn dem so wäre, dann ist das Denken nicht Teil der Schöpfung. Der Menschliche Geist ist also nicht Teil der Schöpfung?
Angenommen, dieser menschliche Geist des Erkennens wäre uns von Gott verliehen, von einem über-universalen Schöpfer, der das so wollte. Woher stammen diese Begriffe Gott und Schöpfer - sie stammen aus der Bibel, Religion und Mythologie. Aber: laut dieser Überlieferungen hat dieser biblische Gott eben gar nicht gewollt, dass wir Denken, das wir Erkennen, sondern das Böse ist es, die Schlange, ein nicht dazugehörender Einfluss, der uns Denken und Erkennen verpasst hat. Adam und Eva, die Menschen wie Gott sie wollte, haben NICHT gedacht und erkannt. Ergo heißt das, wir sprechen nur von einem personalen Gott, weil das Böse, der Verführer, der Teufel es so wollte. Ergo ist der personale Gott vom Teufel.
Der lebendige Gott ist das Ganze, in dem wir leben, und in dessen Ebenbild wir sind, weil wir aus ihm und in ihm gewachsen sind. Wir sind deshalb Gottes Kinder, so wie Jesus sagte: Menschensohn, weil wir dazugehören. Mit unserem Körper und mit unserem Geist, der nur eine Veränderung ist, gegenüber der Natur, gehören wir zu diesem Ganzen. Wir und Gott sind aus dem gleichen Material, wir sind Gott.
Und noch einmal mein Bild: Wenn ich auf dem Berge stehe und einen riesigen weiten Blick habe, oder in die Unendlichkeit der Sterne schaue, dann spüre ich das Ganze. DAS ist Gott, ich frage dann nicht nach Gott, weil ich »IHN« spüre. Ich spüre die Unendlichkeit, da ist das Ganze, da ist Gott präsent. Ich frage in solchen religiösen Momenten nicht nach einem personalen Gott, denn er ist dann da. Er ist die Unendlichkeit des Ganzen, er ist das Leben. Religiöse Momente sind das Ganze HIER zu spüren.
Kurz: ein personaler Gott ist eine tote menschliche Projektion unseres gegenüber der Natur entarteten menschlichen Geistes (den der Gott auch nicht wollte, laut Bibel), der paradiesische allumfassende Gott des Naturganzen ist lebendig, und von dem bin ich auch niemals getrennt (das ist was die Bibel mit der Liebe Gottes meint, aus der wir nicht herausfallen können).
Gott ist das Leben und ich bin kein gegenüber des Lebens. Nur das Denken schafft diese Trennung, ein Ding, was der Naturgott, der wahre Gott gar nicht wollte. Nicht der in personale Symbole gebannte Gott wie ihn die Religionen immer wieder mißbräuchlich delegieren, und auf den sie dann ein besonderes Vorrecht haben.
Anders gesagt, das Leben will keinen Gott, denn es ist Gott.
Ergo sollten wir unsere Gedanken auf das Leben richten, das sollten wir suchen, wenn wir Gott suchen, nicht Kult um ein personales überirdisches Ding im jenseitigen.

Okay, aber wie ist es hier im kleinen, in meinem angenommen sein von diesem Ganzen. Da ist da Draussen und auch hier in meinem Atomen die Unendlichkeit, die laut unserer Definition Gott eher Gott genannt werden sollte. Und hier meine Individualität, für die sich dieses Ganze vielleicht gar nicht interessiert? Das heißt, interessiert sich das ganze für meine kleinen Nöte, und mein Schicksal überhaupt?
Bin ich nicht ein wenig verloren gegebenüber einem Ganzen, was zwar Leben baut, aber sich dann für Einzelschicksale nicht mehr zu interessieren scheint? Das heißt, kann ich noch beten, wenn ich einem abstürzenden Flugzeug sitze? Hat das denn dann überhaupt einen Zweck?
Ich meine ja, nicht weil da ein überirdischer Gott sitzt und eingreift, eingreifen könnte. Sondern weil ich Teil des Lebens bin, und weil das Leben schon allein deswegen, weil es mich und alles macht eine schier unendliche Kraft ist, die uns auch diese Situation und welcher auch immer retten kann.
Ein Ganzes, was ein Universum hervorbringt, mit unendlichen Zahl Sonnen und das Menschen baut, für das ist es eine Kleinigkeit einen Flugzeugabsturz zu verhindern.